„Frau Kruse, Olaf, kommen Sie am Montag früh mit Cita! Bringen Sie eine Wanne mit, damit wir sie nach dem Einschläfern hinein legen können. Olaf, es wäre ratsam, wenn Sie übers Wochenende ein kleines Grab ausschaufeln könnten. Cita wird doch, wie alle anderen Tiere, in Ihrem Garten vergraben?“

Unsere Tierärztin!!

Sie wird von der ganzen Familie vergöttert und deshalb fahren wir mit all unseren Tieren auch einige Kilometer weit, um zu ihr zu kommen. Sie kennt unsere Katzen, unsere Meerschweinchen, die Hasen und Hunde, ja sogar mit einer unserer Gans waren wir bei ihr in der Tierpraxis! Sie begleitet uns schon Jahre lang liebevoll!

„Ja, ja natürlich wird sie auf unserem Grundstück begraben!“, sagte ich.

Reden konnte ich überhaupt nicht viel, ich war einfach unwahrscheinlich traurig, – traurig, dass ich eine meiner besten Freundinnen verlieren sollte.

Wir waren mit unserer Cita, einer wunderschönen, vor allem aber, einer liebenswerten Bobtail-Dame mit neun Jahren, am Samstag Vormittag in der Sprechstunde.

Wenn Cita mich mit ihren Augen, – eines war braun, das andere blau – anschaute, spürte ich eine Göttlichkeit fließen, die ich nicht beschreiben kann, aber für die ich unendlich dankbar war.

Durch dick und dünn ist Cita mit uns gegangen, hat uns während der „Hochs und Tiefs“ auf Schritt und Tritt begleitet. Ja, ja meine Cita!!!

Die Tierärztin Frau Dr. Weiß meinte, sie habe selten so eine wahre Verbundenheit zwischen Mensch und Tier gesehen, wie bei Cita und mir.

Die Geschwulst an ihrem Bauch blutete und blutete!

„Wie gesagt, machen Sie alles bereit, wir werden Cita am Montag einschläfern müssen, es hilft alles nichts. Nicht traurig sein, Frau Kruse, quälen können wir sie nicht! Sie sehen doch selbst, Olaf, dass wir ihr diese Schmerzen mit ihrem von Krebs zerfressenen, blutenden Gesäuge nicht mehr zumuten können!“

Ich glaube, Cita wusste worüber wir sprachen, sie drückte ihren Kopf fest an mich und ich streichelte diesen zärtlich. „Ja, das auf keinen Fall“, antwortete ich.

Natürlich war ich traurig, unendlich traurig, schließlich war sie ja ein Familienmitglied.

Eigentlich gehörte der Hund unserem Sohn Olaf, aber er konnte sich ja wegen seiner Arbeit und anderen Dingen nicht um ihn kümmern, so wie Hannes und ich. Und so lebte der Bobtail mit seiner tollpatschigen, gemütlichen, doch manchmal auch stürmischen Art bei uns.

Samstag waren wir also bei der Tierärztin, Sonntag Morgen blutete der Bauch sehr heftig, die Wunden wurden nicht besser.

Zu Mittag holte Hannes einen Spaten und eine Schaufel aus dem Schuppen und stellte die Geräte an dessen Außenwand.

Cita lag davor unter einem Busch – im Schatten.

Als ich diese, für mich in diesem Moment so schrecklichen „Gebrauchsgegenstände“ sah, überfiel es mich!

Ich setzte mich zu Cita!

Meine Trauer um sie war so groß, dass ich aus tiefster Seele anfing zu weinen. Ich weinte und weinte, und meine Tränen tropften auf das dicke Fell, in das sich meine

Finger hineingekrault hatten.

Wie so oft spürte ich plötzlich eine Kraft in mir, eine Liebe, bei der ich das Gefühl hatte, sie würde von oben durch mich hindurchfließen.

Immer wieder flüsterte ich Cita zu:

„Ich kann mir einfach nicht vorstellen, dass du gehen sollst, es ist doch noch nicht so weit. Vati, lieber Gott, seid bei uns! Bitte!“

Zwei Stunden saß ich bestimmt auf dem harten, von der Sonne angewärmten Stein, zwei Stunden mit dem Gefühl voll tiefer unbeschreiblicher Liebe zu dem vor mir liegenden, wunderbaren Hund!

Nach dieser relativ langen Zeit die ich mit unserer Cita verbrachte, stand ich erschöpft auf und ging in das Wohnzimmer. Auch Cita erhob sich, sah mich mit ihrem treuen Blick an und trottete hinter mir her.

„Komm mal her Cita, zeig mir nochmals deinen Bauch.“ Bevor ich Olaf rief, schaute und fühlte ich immer wieder den Bauch von Cita ab. Ich war wie vor den Kopf gestoßen, ich war sprachlos, ich traute meinen Augen kaum!

„Olaf komm her, Olaf komm bloß her!“

Schnell kam er in das Zimmer gelaufen, er glaubte Wunder was mit Cita passiert sei.

Ja, ein Wunder war wirklich geschehen, ja ein richtiges Wunder!

„Olaf, schau dir doch mal den Bauch von Cita an! Schau doch bloß mal hin. Streichle ihn doch mal!“

Und er streichelte ihn.

Nicht einen Blutstropfen konnte er spüren, es war alles zugewachsen, man konnte nur noch die Ränder der Wun-den erkennen.

Olaf war völlig durcheinander! Wie freute ich mich, ich freute mich so, dass ich gleich zu meinem Mann rannte und ihm mitteilte, dass er doch die Geräte wieder in den Schuppen stellen könnte.

Ich war richtiggehend aufgelöst, ich zitterte, aber nicht vor Angst, sondern vor tiefer Freude.

Olaf sah immer wieder den Bauch an und wiederholte ständig die Worte:

„Das gibt es doch gar nicht, das gibt es doch gar nicht, vorhin war noch alles voll Blut, es war doch alles auf und jetzt ist alles verheilt! Was hast du denn da gemacht?“ Beschreiben konnte ich ihm das Erlebte nicht genau.

„Ich fühlte die Liebe, die zwischen Himmel und mir gegenwärtig war, fühlte, wie immer wieder ein Schwung, ich kann fast sagen ein Schwall dieser Liebe, durch mich und dann in Citas Körper floss!“

Es war schön mit Olaf darüber zu reden, denn auch er glaubte ja an das Dasein unserer Vorfahren und deren Hilfe.

Immer wieder streichelte ich über den glatten Bauch und Cita genoss die Berührungen.

Mit einer großen Dankbarkeit wandte ich mich leise an meinen Vater.

„Danke, Vati – Esich, herzlichen Dank! Was ist nur passiert! Diese Heilung ist ein Wunder! Danke!“

„Ich würde sagen, dass wir das Grab trotzdem ausgraben, wir wissen ja noch nicht, was die Tierärztin dazu sagen wird“, meinte Hannes, der ebenfalls sehr erstaunt war.

Na und die Tierärztin, Frau Dr.Weiß, bekam am Montag in der Praxis vor Staunen einen roten Kopf, als ich ihr von dem Wunder erzählte und aus tiefstem Herzen freute sie sich, als sie zu uns sagte:

„Frau Kruse, Olaf, nun darf Cita doch noch leben!“

Rischa und Cita tobten mit viel Freude, ohne Sorgen weiter in unserem Garten!

Wir hatten das Glück, Cita noch zweieinhalb Jahre in unserer Familie zu haben!